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Kinderkrankheiten

 
      Masern

Fachname: Morbilli.
Durch einen Virus ausgelöste Kinderkrankheit, die eine lebenslange Immunität verleit. Der Verlauf ist nie leicht und vor allem bei Erwachsenen komplikationsträchtig.
Seit 1.Januar 2002 meldepflichtig an das Gesundheitsamt.

 

 

 

Ansteckung Durch Tröpfchen – Husten, Niesen, Sprechen, auch über Entfernungen von ca 5Metern , Besteckverwendung, Küssen, usw .

Hohe Ansteckungsfähigkeit, vor allem im Prodromalstadium (s.u.) bis zum 4.Ausschlagstag. Fast alle Angesteckten (95 - 98%) reagieren mit einem Krankheitsausbruch.
Säuglinge von Müttern, die in ihrer eigenen Kindheit Masern hatten sind in den ersten 6 Monaten geschützt. Nach Masernimpfung bestehen diesbezüglich noch keine gesicherten Beobachtungen.

Häufigkeit Früher waren vor allem Klein- und Schulkinder betroffen. Auf Grund der Impfungen treten jedoch weniger Erkrankungsfälle auf. Somit erreichen viele junge Menschen das Erwachsenenalter ohne Krankheitsschutz.In den letzten 3 Jahren ist das durchschnittliche Erkrankungsalter vom 11. zum 15.Lebensjahr angestiegen. Wir empfehlen somit die Impfung spätestens bei allen Jugendlichen und Erwachsenen(!), die sich nicht an eine Erkrankung erinnern können.

Lokal kommt es immer wieder zu regionalen Epidemien mit einigen hundert Erkrankten. Der aktuelle (2011) Ausbruch in der Umgebung von München hat zu bisher ca 400 Masernfällen geführt. Die letzte Epidemie in Erding war 1998.


Inkubationszeit Ca 8-12 Tage
Zulassung zu Gemeinschaftseinrichtungen Frühestens 5Tage nach Exanthembeginn (nicht sinnvoll).
Kontaktpersonen ohne eigenem Schutz nach 14 Tagen, sonst ist Inkubationsimpfung (Impfung zum Eigenschutz in der Ansteckungszeit) möglich.
Symptome Es besteht ein typisch zweigipfliger Krankheitsverlauf:

das Prodromalstadium,
in dem bereits volle Ansteckungsfähigkeit besteht. Es kommt zu allgemeinen „Grippesymptomen“ wie Temperaturanstieg, Husten, Schnupfen, Mattigkeit und Ähnlichem. Ist eine Ansteckung nicht bekannt, besteht hier auch noch kein Verdacht auf Masern. Bei vorhandenem Verdacht, kann dieser am Ende des Prodromalstadiums durch Koplick´sche Flecken bestätigt werden. Dies sind kalkspritzerartige kleine Flecken in der Wangenschleimhaut. Dauer ca 3Tage.

das Exanthemstadium
Nach einer scheinbar gesunden Pause von 1-2 Tagen brechen die Masern deutlich, stark und unverkennbar mit folgenden Symptomen auf:

1.Hohes Fieber bis 41°,
2.großfleckiger roter Ausschlag vom Gesicht über den Stamm auf Arme und Beine,
3.trockener bellender Husten
4.Augenreizung mit Lichtscheu,
5.“alles läuft“: Nase, Tränen, Speichel.

Dauer 3-5 Tage.

die Erholungszeit
Viele Patienten fühlen sich hier gesund, bei einigen besteht noch Mattigkeit und Krankheitsgefühl. Es ist die Zeit des höchsten Risikos für Komplikationen. Ruhe und Schonung ist dringend indiziert. Insgesamt führen Masern zu einer ca 6 Wochen lang bestehenden Immunschwächung.

Diagnose Eindeutig auf Grund des typischen Krankheitsverlaufes. Milde, abgeschwächte Masern treten nur auf wenn Säuglinge noch über einen leichten von der Mutter übertragenen Schutz verfügen. Ab der 4.Woche typischer Titer-Nachweis im Blut möglich.
Therapie Als Viruserkrankung ist Antibiotikumgabe ohne Wirkung. Erst bei bakterieller Zweiterkrankung setzt man sie ein.

Entscheidend zur Vermeidung von Komplikationen ist die 2-wöchige Ruhe ab Ausschlagbeginn mit viel Wärme (Raumtemperatur, Essen, Psyche).

Die Schulmedizinische Therapie erfolgt rein symptomatisch: Fieberbekämpfung, Raumabdunklung, usw.
Homöopathie: Pulsatilla.
Trotz des trockenen Hustens ist die Einnahme eines Schleimlösers sinnvoll um die Entwicklung einer Lungenentzündung zu vermeiden.
Bitte immer den Hausarzt informieren.
Komplikationen Lungenentzündung: aus eigener Erfahrung in ca jedem 10.Fall. Hinweise hierauf sind erneuter Fieberanstieg und Atemnot. Therapie durch Antibiotica.
Mittelohrentzündung: in jedem 10.Fall. Erkennbar durch Schmerzen, Therapie: Antibiotica.
Masernencephalitis: Entzündung der Gehirnsubstanz, da Masernviren potentiell neurotrop sind, das heißt sie befallen oft das Nervensystem. Diese Komplikation ist gefürchtet, da sie zu Bewusstseinsstörung, Krämpfen, Lähmungen, bis zu geistigen Behinderungen (Risiko 20 - 30%) führen kann. Die Sterblichkeit ist hier 10 - 20%! Häufigkeit der Encephalitis 1:10 000 bei Kindern, 1:1 000 ab dem Jugendalter.
Immunschwächung kurzzeitig nach der Erkrankung: im allgemeinen gefährlich in Entwicklungsländern auf Grund der bestehenden Mangelernährung.

subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE): es tritt 7-8 Jahre nach Primärinfektion eine durch Masern ausgelöste Hirnerkrankung auf, die stets tödlich endet. Es ist eine extrem seltene Komplikation.

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass die Masernerkrankung desto stärker und komplikationsträchtiger verläuft je älter der Erkrankte ist. Deshalb s.`Impfungen`.

In der Schwangerschaft besteht kein erhöhtes Risiko.

Prognose In den Industrieländern sind ernsthafte Komplikationen selten. Für die Bewohner von Entwicklungsländer besteht ein deutlich höheres Risiko.
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Alternative Ansicht Die Entscheidung für/gegen Impfung muss individuell und unter Bewusstsein der Komplikationen getroffen werden.
Die Masernerkrankung im Kindesalter ist eine mögliche Form der Abwehrstärkung. Statistische Untersuchungen ergaben für das spätere Leben selteneres Auftreten von Allergien, Autoimmunerkrankungen und Krebsfällen.
Nach durchgemachten Masern fallen ca 50% der Kinder durch positive Entwicklungsschübe auf.

Interessant sind noch folgende Informationen der letzten Masernepidemie in Coburg: Insgesamt waren 1166 Personen erkrankt (6% davon waren geimpft, nur 1x?). 43 davon wurden stationär behandelt wegen Lungenentzündung, Mittelohrentzündung und ähnlichem.Gehirnentzündungen und Todesfälle waren erfreulicherweise nicht aufgetreten!!!<

Allerdings ist ein 14-jähriges Mädchen 2005 an dieser Krankheit verstorben.

 
verantwortlich für den Text: Dr.Ulf Müller, aktualisiert 12.8.2011